AUDIOWALK rund um das Museum Neuthal
Autor: MARKUS ROTTMANN
Regie: CHRIS NIEMEYER
Sounddesign: CHRISTOPH BENZ, JINGLE JUNGLE
Stimmen:
JEAN-MARC NIA – Wasserwart
SAMUEL STREIFF – Vorarbeiter
WALTER ANDREAS MÜLLER – Wassergeist
URS JUCKER – Spinnmeister
MIRO JUCKER – «Köbi»
SIEGFRIED TERPOORTEN – Heizer
BIG ZIS – Anna Wilhelmina Guyer Zeller
Auftraggeber:
MUSEUM NEUTHAL TEXTIL- & INDUSTRIEKULTUR
HÄUSLER WEIDMANN BÜRO FÜR GESCHICHTE UND KULTURVERMITTLUNG
Der Audiowalk nimmt uns mit auf eine krumme Tour. Eigentlich will uns der stolze Wasserwart seine Wasserkraft präsentieren. Doch heute ist ein schlechter Tag. Seit Wochen kein Regen. Allzu oft steht die Fabrik nachmittags still. Aber es kommt noch schlimmer: Heute Abend kommt der Herr Direktor Guyer-Zeller. In Panik eilen die Meister zum Wasserwart. Und sie drohen. Allein gegen alle trickst er den Heizer ins Verderben, plant einen Wasserraub und dreht an den Kurbeln, die ganz Neuthal bewegen. An seiner Seite nur der kleine Köbi, dessen sehnlichster Wunsch es ist, selbst Wasserwart zu werden.
Neuthal, 1888. Die Spinnerei rattert auf Hochtouren, der Textilhandel floriert. Zahllose Arbeiterinnen und Arbeiter spinnen Baumwolle aus aller Welt. Doch die Bächlein bereiten Sorge. Es waren regenarme Wochen, die Zuflüsse der Speicher-Weiher füllen diese kaum noch, immer weniger Wasserdruck kann durch die unterirdischen Kanäle auf die Turbinen geführt werden. An gewissen Tagen ist schon nachmittags Schichtende, man arbeitet den Auftragsbüchern hinterher. Aber es kommt noch schlimmer: Heute Abend kommt der Herr Direktor Guyer-Zeller. Längst hat er den Geschäftssitz seiner Handelsfirma nach Zürich verlegt. Besucht er Neuthal, bringt er hohe Herren mit, um sie mit seiner Fabrik und dem Ausbau der Wasserkraft zu beeindrucken. Eine eingetrocknete Produktion wäre gerade heute eine Katastrophe. In Panik eilen die Meister zum Wasserwart. Sie haben Druck und reichen ihn weiter. Der Wasserwart soll es richten oder büssen. Wasserkraft hochfahren, aber sofort. Denn der Wasserwart dreht an den Kurbeln, die ganz Neuthal bewegen – oder eben nicht. Allein gegen alle, tut er wie befohlen. Wohl wissend, dass ein Wasserwart das Wasser zwar regulieren, aber nicht herbeizaubern kann. Auf einem Spezialrundgang beginnt er, nicht die Wasser, sondern die Leute zu regulieren. Er nutzt die Eitelkeit des Heizers, die Dampfmaschine gegen dessen Interessen hochzufahren. Er verhindert einen drohenden Ausfall des Turbinenturms, plant einen Wasserraub an den Müllern von Bauma und versucht, den hohen Besuch vom drohenden Stillstand der Spinnerei wegzulocken. Dazwischen sinniert er über Schöpfung und Menschenwerk, über Maschinenkraft und produktive Zeiten, über Machtgefühle beim morgendlichen Start der Fabrik und die Ohnmacht gegenüber einer gewaltigen Natur. An seiner Seite nur der kleine Köbi, dessen sehnlichster Wunsch es ist, der Fabrikarbeit zu entkommen, um Wasserwart zu werden.